Und täglich grüßt das Murmeltier – oder was bewirken Routinen

Vor ein paar Tagen, noch im alten Jahr, erreichte mich eine Whats App Nachricht. Die Konversation ging ums Laufen. Die Regelmäßigkeit die ich, so zumindest meine Gesprächspartnerin im Gegensatz zu ihr, an den Tag lege, und sie gerne wissen wolle wie ich das mache. Ich antwortete ihr, dass ich es einfach mache. Es steht so im Wochenplan, genau wie Wäschewaschen, Katerklos und Vorbereitung für die Steuererklärung und dann wird es auch gemacht.

Aber die Antwort hätte eigentlich in etwas so ausfallen müssen. Ich bin von Kindheit an Asthmatikerin mit stark eingeschränkter Lungenfunktion. Vor ca. 3 Jahren habe ich mit dem Spazierengehen um meine Wohnung angefangen. Daraus wurde dann walken und schließlich joggen bis zum Laufen.

Nicht so wie man das bei Eliud Kipchoge beim Marathon aus dem Fernsehen kennt, sondern eher so: „puh wie lange muss ich noch - ok dann haben wirs aber auch.“ Darauf antwortet meine Galaxy Uhr: „Nein, das ist der Wendepunkt , dann hast du die Hälfte geschafft.“


Dann meldet sich wieder mein Hörbuch des Tages. Meist etwas aus der Fantasy Abteilung oder SiFi. Also verbringe ich die Stunden die ich pro Woche laufe nicht in Euskirchen in meiner unmittelbaren Nachbarschaft, sondern auf Mittelerde, bei der Royal Manticoran Navi, oder auch der Scheibenwelt.


Das machte es für mich einfacher. Laufen auf dem Laufband finde ich immer noch furchtbar und mache ich auch nur sehr widerwillig. Den ersten Walk habe ich gemacht, weil ich nicht wusste wohin mit meiner Energie! Weitergemacht habe ich, weil ich gemerkt habe, dass es mir SEHR gut tut, Ausdauersport zumachen.
Am Anfang bin ich nach einem ausgedruckten Plan gelaufen. Das war keine gute Idee. Nicht weil der Plan doof war, sondern er nicht zu mir passte. Ich brauchte eine Stimmer im Ohr die mir sagte, wie viel ich bereits geschafft habe, wie viel noch vor mir liegt, das ich zu schnell oder zu langsam bin.

Das konnte meine Uhr in Kombination mit meinen Handy leisten. Auch die Regelmäßigkeit wurde darüber bestimmt. Also drei mal die Woche sollte es sein. Ich habe mir das auf Montag, Mittwoch und Freitag gelegt, weil dies mit meinem anderen Verpflichtungen am besten passte. Nach einigen Wochen war aus der Pflicht eine Kür geworden. Ich freue mich auf diese drei Tage, weil ich dann je nach persönlichen Trainingsplan 60 bis 115 min Zeit für mich habe. Das umfasst das Anziehen, Laufen, after Workout Shake und das Duschen. Diese Zeiten gehören MIR. Ich bin nicht für meinen Mann, Kater, Familie, Kunden oder die Firma da, sondern für MICH.

Ich kann dem Heulen des Windes oder meinem keuchendem Atem lauschen, je nach dem was lauter ist.

Unterm Strich hat es mehr als 12 Monate gebraucht, bis sich daraus eine Routine entwickelt hatte die ich heute nur unter ganz bestimmten Umständen nicht einhalte. Aber was am Wichtigsten ist, und das kann ich gar nicht genug betonen, ich habe mir dafür erst die Energie „besorgen“ müssen. Ohne die geht es schlicht nicht.